Lebenslauf
Werner Otto: Gründer und Visionär.
Der Hamburger Kaufmann und Unternehmer Prof. Dr. h.c. Werner Otto wurde am 13. August 1909 in Seelow (Mark Brandenburg) geboren.
Werner Otto gehört zu den ganz wenigen noch lebenden Wirtschafts-Pionieren, die mit visionärer Kraft, ausgeprägtem Erfindungsreichtum und großem unternehmerischen Mut die wirtschaftliche, gesellschaftspolitische und soziale Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland in den vergangenen 60 Jahren geprägt haben.
Er ist einer der Unternehmer der ersten Stunde, deren kurz nach der Währungsreform gegründete und aufgebaute Wirtschaftsimperien Weltgeltung erlangten und die nicht nur ihren Namen tragen, sondern die auch heute noch von der Gründerfamilie entscheidend gestaltet werden.
Für Otto hat immer sein unternehmerisches Werk im Vordergrund gestanden, nie seine Person. Als sein größtes Glück neben Familie und Gesundheit sieht er die schöpferische Gestaltungsmöglichkeit des selbständigen Unternehmers. „Panta rhei“ - alles fließt, lautet sein Motto. „Wer allerdings statisch denkt und aus Angst vor Fehlern keinen Schritt nach vorn wagt, der sollte kein Unternehmer werden“, so Ottos Überzeugung.
Keimzelle und Herzstück seiner Unternehmungen ist der am 17. August 1949 in Hamburg gegründete Versandhandel. In der 60jährigen Unternehmensgeschichte entwickelte sich die Firma Otto zur größten Versandhandelsgruppe der Welt. In 19 Ländern Europas, Amerikas und Asiens vertreten, zählt sie seit Jahrzehnten zu den expansivsten und gleichzeitig renditestärksten der Branche.
Grundlage dieser einzigartigen Entwicklung war die konsequente Umsetzung der unternehmerischen Überzeugungen Werner Ottos. Vorrangig war für ihn immer eine klare innovationsorientierte Unternehmensstrategie, der Aufbau eines leistungsfähigen Managements und die konsequente Multiplikation der eigenen Stärken. So vermied er den Kardinalfehler vieler Gründerunternehmer, sich auf Dauer im Tagesgeschäft für unentbehrlich zu halten und sich in zu viele Details einzumischen. Stattdessen legte er größten Wert auf den Aufbau hochqualifizierter Führungsmannschaften, die in der Lage sind, weitgehend selbständig und eigenverantwortlich zu handeln. 1981 übergab er die Führung des Unternehmens Otto seinem Sohn Dr. Michael Otto, der 2007 an die Spitze des Aufsichtsrates wechselte.
Es entspricht dem Naturell von Werner Otto, seinen Blick stets in die Zukunft zu richten und in großen Zusammenhängen zu denken. Als er Ende der sechziger Jahre die ECE in Hamburg gründete, gestaltete er sie wirtschaftlich und personell völlig unabhängig von der Firma Otto.
Heute ist die ECE die bedeutendste Entwicklungs-, Bauträger- und Managementgesellschaft für zur Zeit 115 Einkaufszentren in Europa. Die ECE entwickelt und baut darüber hinaus große Bürohäuser, Spezialimmobilien und sonstige gewerbliche Projekte, stets mit dem Ziel, einen wirkungsvollen Beitrag zur Belebung der Innenstädte sowie der behutsamen Stadterneuerung zu leisten. Im Jahr 2000 hat sein Sohn Alexander die Führung der ECE übernommen.
Bereits zu einer Zeit, als Globalisierung noch ein Fremdwort war, wagte Werner Otto den Sprung über den Atlantik nach Amerika. Im kanadischen Toronto begann er Anfang der 60er Jahre damit, die Park Property aufzubauen. Diese Immobiliengruppe managt heute rund 7.000 Wohnungen sowie ca. 150.000 qm Gewerbeflächen. Außerdem erschließt sie Industrieparks. Die Park Property zählt damit zu den größten Unternehmen dieser Art in Kanada
Im Alter von über 60 Jahren, wenn andere Menschen an Ruhestand denken, begann Werner Otto ab 1973 mit dem Aufbau einer US-amerikanischen Immobiliengruppe, der Paramount Group in New York, zu der u.a. Hochhäuser in New York und Washington gehören.
Seinen unternehmerischen Handlungsspielraum und seine Gestaltungsmöglichkeiten empfand Werner Otto stets auch als soziale Verpflichtung und gesellschaftspolitische Aufgabe. Um gezielt und wirkungsvoll helfen und menschliche Not lindern zu können, gründete er 1969 die „Werner Otto Stiftung“. Diese medizinische Stiftung springt insbesondere dort ein, wo der Staat aus finanziellen Gründen nicht oder nicht schnell genug Gelder zur Verfügung stellt. In dieser Ergänzung der staatlichen Forschungsfinanzierung sieht Werner Otto auch die Aufgabe seiner Stiftung und jeder Privatinitiative im medizinischen Bereich. Insbesondere die Fähigkeit, schnell zu entscheiden und zu handeln, ist eine Stärke der privaten Forschungsförderung, die manches wichtige Programm vor dem Abbruch auf halbem Wege rettet.
Ein weiteres Projekt der Werner Otto Stiftung ist das wissenschaftliche Behandlungszentrum für Krebskrankheiten im Kindesalter an der Universitätskinderklinik Hamburg-Eppendorf, das zahlreichen leukämiekranken Kindern das Leben gerettet hat.
Angeregt durch einen Bericht des Kinderarztes der Familie über hervorragende Heilungserfolge bei Kindern in den USA gründete Werner Otto 1974 das Werner Otto Institut auf dem Gelände der Stiftung Alsterdorf, Hamburg, die erste und bisher einzige Spezialeinrichtung Norddeutschlands, die sich ausschließlich der Früherkennung und Behandlung entwicklungsgestörter oder behinderter Kinder und Jugendlicher widmet.
Für hervorragende wissenschaftliche Leistungen wird alle zwei Jahre der Preis der Werner Otto Stiftung zur Förderung der medizinischen Forschung an in Hamburg tätige Forscher und Ärzte verliehen.
Seit 1996 gibt es das „Werner Otto Stipendium zur Förderung des medizinischwissenschaftlichen Nachwuchses an der Universität Hamburg“. Ehemals hörbehinderte Kinder und Jugendliche lernen nach einer Cochlear-Implant-Operation im Werner Otto Haus in Berlin wieder hören.
Dem Prinzip gelebter gesellschaftlicher Verantwortung ist Werner Otto auch auf anderen Gebieten gerecht geworden. So hat er schon sehr frühzeitig die Notwendigkeit eines verantwortungsbewussten Umgangs mit der Natur vertreten und den Naturschutz gefördert. Der amerikanischen Harvard-Universität stiftete Otto einen Museumsneubau für die Unterbringung der Kunst deutschsprachiger Expressionisten, die Werner Otto Hall.
In seinem Geburtsort Seelow, wo die letzten schweren Kämpfe mit 50.000 Toten am Kriegsende stattfanden, ließ Werner Otto den Kirchturm wieder aufbauen und das Kirchenschiff erneuern. In Potsdam wurde dank der Unterstützung durch Otto das Belvedere auf dem Pfingstberg wieder renoviert und ausgebaut. Das Konzerthaus Berlin erhielt von ihm eine zusätzliche moderne Bühne. In Hamburg hat Otto die Neugestaltung des Jungfernstiegs unterstützt. Mit dem Um- und Ausbau des Werner Otto Instituts beträgt das Spendenvolumen, das Otto allein für diese Projekte zur Verfügung stellte, rund 20 Millionen Euro.
Für sein unternehmerisches und soziales Engagement erhielt Werner Otto diverse Auszeichnungen und Orden, u. a. das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, die Ehrendenkmünze in Gold sowie die Bürgermeister-Stolten-Medaille des Hamburger Senates und den Ehrentitel Professor der Freien und Hansestadt Hamburg, die Ernst-Reuter- Plakette des Senates Berlin, den 1. James-Simon-Preis sowie den Preis der Konrad-Adenauer- Stiftung für „Soziale Marktwirtschaft“ für sein unternehmerisches Handeln; er ist Ehrendoktor und Ehrensenator der Universität Hamburg sowie Laureat der Hall of Fame im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. 2009 erhielt Otto den „Lifetime Achievement Award“ des „CEE Real Estate Award“ für seinen bedeutsamen Beitrag zum Immobilienmarkt in Mittel- und Osteuropa. Am 11. August 2009 wurde ihm die Berliner Ehrenbürgerwürde verliehen.